Mailand, 11. November (Adnkronos) – Für Freitag ist vor dem Revisionsgericht Brescia eine neue Anhörung gegen den ehemaligen stellvertretenden Staatsanwalt von Pavia, Mario Venditti, angesetzt. Ihm wird Korruption in Gerichtsakten im Fall Garlasco vorgeworfen, da er im Verdacht steht, die Einstellung des Verfahrens gegen Andrea Sempio im Jahr 2017 begünstigt zu haben. Gegen Sempio wird nun erneut wegen der Verschwörung zum Mord an Chiara Poggi ermittelt.
Dies ist eine neue Verfahrensrunde, nachdem dieselben Richter der Vorverhandlung den ersten Beschlagnahmebeschluss – für ein Mobiltelefon, einen Computer und eine Festplatte – vom 26. September aufgrund der Unklarheit des von Oberstaatsanwalt Francesco Prete und Staatsanwalt Claudio Moregola unterzeichneten Antrags aufgehoben hatten. Es handelt sich um den zweiten Versuch im Fall Garlasco, die Inhalte der elektronischen Geräte des ehemaligen Richters zu erhalten; dieser Versuch erfolgt vor der Begründung der ersten Vorverhandlung und während ein weiterer Antrag auf Beweisaufnahme zur Sicherstellung der Computerdaten noch anhängig ist.
In ihrem Antrag auf Beschlagnahme argumentiert die Staatsanwaltschaft Brescia, dass das Mobiltelefon „mit Sicherheit Beweismaterial enthält, das zur Aufklärung der Straftat geeignet ist“. Sie kann die Suchbegriffe jedoch nicht nennen und fordert eine umfassende Untersuchung der Beziehungen zwischen den Ermittlern (Staatsanwälten und Kriminalpolizei) zur Familie Sempio bzw. deren Anwälten und technischen Beratern sowie der Zahlungen an die Ermittler – auch über Dritte. In ihrem Antrag auf uneingeschränkten Zugriff auf elf Jahre Forschung zu Computergeräten betont sie zudem, dass die Identifizierung und Sicherstellung von Chatnachrichten, deren Inhalt aufgrund der medialen Berichterstattung über die Ermittlungen möglicherweise gelöscht wurde, sich als „äußerst hilfreich“ erweisen könnte.