St. Petersburg, 11. November (askanews) – Ein russisches Gericht hat einen 18-jährigen Straßenmusiker zum dritten Mal wegen des Singens von Antikriegsliedern zu einer Haftstrafe verurteilt. Dies ist ein weiteres Beispiel für das unerbittliche Vorgehen des Kremls gegen jegliche Form von Dissens oder Opposition, obwohl es in Russland kaum Widerstand gibt.
Diana Loginova, eine Musikstudentin, die unter ihrem Künstlernamen Naoko als Sängerin von „Stoptime“ bekannt ist, hat bereits zwei 13-tägige Haftstrafen verbüßt und wurde beide Male kurz nach ihrer Freilassung erneut verhaftet und wegen neuer Verbrechen angeklagt.
Loginova wurde wegen einer Ordnungswidrigkeit – ebenfalls für 13 Tage – inhaftiert, nachdem die St. Petersburger Website Fontanka ein Video ihres Auftritts auf dem Sennaja-Platz veröffentlicht hatte. Das Leningrader Bezirksgericht befand sie gemäß einem Artikel des russischen Verwaltungsgesetzbuches für schuldig, eine „Massenveranstaltung“ organisiert zu haben, die die öffentliche Ordnung störte. Beamte des Innenministeriums fanden in dem Video Hinweise auf einen solchen Verstoß. Ihre Mutter sieht die Sache jedoch anders: „Die Band spielte ganz normale Lieder. Als ich die Kinder auftreten sah, hörte ich keine Lieder, die das Interesse der Strafverfolgungsbehörden geweckt hätten. Sie sangen Kinderlieder, Coverversionen russischer Künstler, darunter ‚Lyube‘ und ‚Shaman‘. Es waren also viele verschiedene Lieder dabei“, sagte sie.
Insbesondere ist Shaman dafür bekannt, ein wahrer Regime-Barde gewesen zu sein, der großen Ruhm erlangte, nachdem er in der Ukraine kriegsbefürwortende Positionen eingenommen hatte.
Loginova wurde zusammen mit dem Gitarristen Alexander Orlov nach Verbüßung vorheriger Haftstrafen zum dritten Mal verhaftet, während der Schlagzeuger Vladislav Leontiev freigelassen wurde. Gegen sie wurden außerdem drei Anzeigen wegen Verunglimpfung des russischen Militärs erstattet.