Der Fall Yara Gambirasio ist nach dem Fernsehauftritt von Nicolas Bossetti, dem Sohn von Massimo Bossetti, der wegen Mordes an der 2-Jährigen aus Brembate zu lebenslanger Haft verurteilt wurde , wieder in den Fokus gerückt. In einer Folge der Sendung „Ore 14 di sera“ auf Rai2 bezeichnete der junge Mann den Fall als „einen zweiten Garlasco“ und erklärte: „Wir haben noch nie einen Fall mit so vielen Fehlern gesehen.“
Die Anträge der Verteidigung und die Antwort des Schwurgerichts
Bossettis Anwälte, Claudio Salvagni und Paolo Camporini, beantragten beim Schwurgericht Bergamo neue technisch-wissenschaftliche Untersuchungen der noch erhaltenen Artefakte. Der Grund war klar: Die auf Yaras Jacke gefundene DNA sollte erneut analysiert werden , um festzustellen, ob die Übereinstimmung mit der unbekannten Person 1 – derzeit als Massimo Bossetti identifiziert – tatsächlich gesichert war.
Gründe für die gerichtliche Entscheidung
In dem zwölfseitigen Urteil wurde die Berufung zurückgewiesen, da es dem Antrag an „Konkretheit“ und „Neuheit“ mangele. Die Richter betonten, dass die angeforderten Beweismittel bereits im Prozess eingehend geprüft worden seien und eine erneute Bewertung den Gesamtrahmen, der zur Verurteilung geführt habe, nicht verändern würde.
Technische Details zum genetischen Profil
Laut Gerichtsdokument wurde das Profil der unbekannten Person 1 nicht allein anhand der Spur 31G20, dem Blut auf Yaras Unterwäsche, erstellt. Von der Unterwäsche wurden 52 Proben entnommen, von denen 16 mit Bossettis Profil übereinstimmten. Zusätzlich wurden zwölf Proben von der Leggings genommen, von denen zwei mit der Spur der unbekannten Person 1 übereinstimmten.
Das Gericht stellte fest, dass es keinen Zweifel an der Anwesenheit von Bossettis DNA auf der Unterwäsche des Opfers gebe und dass die angebliche Samenprobe auf der Jacke nicht dem Verurteilten zugeordnet worden sei, weshalb die Verteidigung in dieser Hinsicht keine Einwände mehr erheben könne.
Reaktionen von Anwälten und Familienangehörigen
Anwalt Massimo Salvagni bezeichnete die Entscheidung als „undurchdringliche Mauer“, die etwas verberge, und kündigte an, Berufung beim Obersten Gerichtshof einzulegen und die Angelegenheit der zuständigen Staatsanwaltschaft vorzulegen. „Wir werden definitiv Berufung einlegen, denn wir werden nicht zulassen, dass die Wahrheit verschwiegen wird“, erklärte er.
Die Anwälte der Familie Gambirasio, Andrea Pezzotta und Enrico Pelillo, erinnerten ihrerseits an ihre Befürchtungen vor einem möglichen „Garlasco 2“ und bekräftigten ihre Entschlossenheit, dies zu verhindern. „Das Gericht stimmte zu; wir hoffen, dass die anderen einlenken werden, befürchten aber das Gegenteil“, schlossen sie.
Währenddessen verfolgte Massimo Bossetti, der per Live-Schaltung aus dem Gefängnis von Bollate zugeschaltet war, schweigend die Urteilsverkündung, während sein Sohn Nicolas seine Überzeugung bekräftigte, dass sein Vater unschuldig sei, und hinzufügte: „Wenn wir die Möglichkeit hätten, diese ‚heilige‘ DNA zu analysieren, wären die Ergebnisse anders.“
